Inhaltsbereich:

Aktuelle Nachrichten aus dem Diakoniewerk

18.05.2017

Mehr als Pflege: Diakonie für neue Wohn- und Lebenskonzepte im Alter

Veränderte Ansprüche beantwortet Sozialpolitik immer noch mit Konzepten aus dem vorigen Jahrhundert. Wer über Pflege spricht, darf zu Alltag und Wohnen nicht schweigen.

Die Diakonie plädiert angesichts der aktuellen Pflegedebatte für neue Ansätze in Pflege und Betreuung. „Wir müssen das Pflegethema sozialpolitisch neu aufstellen, brauchen eine neue Perspektive, müssen gesellschaftlich einen neuen Blick einnehmen“, regt Diakonie Direktor Michael Chalupka einen Blickwechsel an. Die Gesellschaft verändert sich und auch die Ansprüche alter Menschen. Sie sind individueller und heterogener geworden; mittlerweile leben in Pflegeheimen zunehmend Menschen mit fortgeschrittener Demenz und die Betreuungssituationen am Lebensende verdichten sich.

Noch immer große Sonderwohnformen
Diese veränderten Ansprüche beantwortet unsere Gesellschaft aber immer noch mit Konzepten, die teilweise mehr als 25 Jahre alt sind. Das Pflegegeld wurde 1993 eingeführt, Pflegeheimstruktur und bauliche Konzepte der meisten Häuser stammen aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Keine andere Personengruppe würde sich einen so trägen Wandel bzw. eine so verzögerte Anpassung der Angebote an aktuelle Bedürfnisse gefallen lassen. Alte pflegebedürftige Menschen sind die einzige Personengruppe, die noch in derart großen Institutionen und Sonderwohnformen leben muss.

Internationale Beispiele gibt es dazu ja bereits zahlreich: Quartiersentwicklung, sozialräumliche Herangehensweisen, ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, Umbau bestehender Pflegeheime, Community Care, etc.

Medizinisch-Pflegerische und sorgende Tätigkeiten: Cure and Care verbinden
Es braucht neue Wohnkonzepte für Menschen mit hohem Pflegebedarf. Wohnen, das ins Gemeinwesen integriert ist, das alltags- und  bürgernäher organisiert ist. Deswegen ist die Kernfrage, bevor wir über Pflege reden, wie kann ich Grätzel, Sozialraum und Wohnformen etablieren, damit ältere Menschen auch mit Behinderung oder Demenz dort leben können. Die Pflege, die dazu nötig ist, ist eine zusätzliche Dienstleistung. Und natürlich gehören Pflegeheime als hochspezialisierte Einrichtungen auch weiterhin zu den Angeboten dazu. Aber eben mit zeitgemäßen Konzepten und ausreichenden Ressourcen, um diesem hoch professionellen Auftrag und Anspruch auch mit der gebotenen Qualität nachkommen zu können.

Dabei muss auch der Blick auf die derzeit sehr unterschiedliche Ressourcenausstattung von „stationärer Altenarbeit“ in den Bundesländern gerichtet werden.


Wir müssen uns von der isolierten Pflege verabschieden und einen größeren Blick auf die Bedürfnisse älterer Menschen werfen- nicht nur aus medizinisch-pflegerischer (Cure), sondern aus allgemein sorgende Sicht (Care). In Zukunft geht es darum, „Cure“ und „Care“ zu verbinden.

„Alter darf nicht weiter am Rand bleiben. Alter gehört in die Mitte der Gesellschaft“, verlangt die Diakonie. „Wir haben uns dringend gesellschaftspolitisch darüber zu unterhalten, wie wir die Gesellschaft des langen Lebens gut gestalten wollen - und wie wir ein Altern in Würde sichern können,“ so Diakonie Direktor Chalupka abschließend.

Foto: Christian Göltl, Abdruck honorarfrei

Rückfragen:
Mag. MBA Daniela Scharer
Kommunikation & PR
Diakoniewerk (Zentrale)
Telefon 07235 63 251 128
Mobil 0664 220 16 25
d.scharer@diakoniewerk.at
www.diakoniewerk.at/presse