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Aktuelle Nachrichten aus dem Diakoniewerk

23.09.2017

Menschen mit Demenz brauchen mehr Freiheit.

Gemeinschaft erleben, am „normalen“ Leben anknüpfen, sich wohlfühlen

Im soeben veröffentlichten 10 Punkte-Programm für die Zukunft des Älterwerdens hat die Diakonie ihre Überlegungen zur künftigen Gestaltung einer Gesellschaft des langen Lebens zusammengefasst. Die bedürfnisorientierte Begleitung von Menschen mit Demenz ist darin ein wesentlicher Punkt – gesellschaftlich betrachtet müssen sich die Rahmenbedingungen endlich so ändern, dass Menschen mit Demenz tatsächlich die ihnen zustehende Freiheit leben können. Es geht um die Sensibilisierung der Gesellschaft für Demenz und die Entwicklung von Wohnkonzepten, dort, wo die Menschen leben wollen, in Stadtteilen, Grätzeln, Nachbarschaften oder Wohnquartieren.

GALLNEUKIRCHEN. In der Diskussion über die künftige Gestaltung einer Gesellschaft des langen Lebens stellt Demenz ein besonderes Thema dar. Demenz fordert uns in besonderer und vielfältiger Weise heraus. Die betroffenen Personen selbst müssen mit den Einschränkungen zurechtkommen, zugleich betrifft Demenz auch im besonderen Maße die Angehörigen und Zugehörigen.

So hat Peter A. aus Wels/OÖ über viele Jahre hinweg seine Mutter (87) zuhause betreut – deren Demenz mit dem Tod ihres Mannes schleichend kam und sehr rapide fortschritt. Für den Sohn bedeutete das eine intensive Zeit des Wachsam-Seins und das Gefühl, seine Mutter ein Stück weit „leider“ auch vor sich selbst zu beschützen. Mit dem Besuch der Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz und mobilen Diensten begann sich für Peter A. nicht nur die Situation zu entspannen, sondern vor allem für seine Mutter bedeutete dies ein Mehr an sozialer Teilhabe, Gemeinschaft und Normalität im Alltag. „Die Aktivitäten in der Tagesbetreuung konzentrierten sich auf die Kompetenzen meiner Mutter und versuchten damit, ihre Lebensqualität in dieser Phase des Lebens zu erhalten“, erzählt Peter A. „Damit erfuhr die Mutter eine Stärkung ihres Selbstwertes, sie wurde nicht auf ihre Demenz und die damit verbundenen Einschränkungen reduziert.“ Seit kurzem lebt Frau A. nun im Haus für Senioren Wels in einer Hausgemeinschaft des Diakoniewerkes, die ihren besonderen Bedürfnissen sehr entgegenkommt.

„Ich denke, also bin ich.“ - in einer Wissens- und Informationsgesellschaft hinterfragt Demenz diese geltende „Norm“. Und eben dieser Herausforderungen gilt es, sich pro-aktiv zu stellen.

„Der Mensch ist mehr als sein Gedächtnis, er ist mehr als seine Erinnerung. Er darf nicht auf seine Demenz reduziert werden, nicht auf seine Einschränkungen und Verluste. Es geht gesellschaftlich darum, den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit verstärkt wahrzunehmen“, unterstreicht Mag. Josef Scharinger, Vorstandsvorsitzender des Diakoniewerkes.
Menschen mit Demenz – unabhängig davon, wo sie leben, ob zuhause oder im institutionellen Kontext – erleben viele Diskriminierungen, Einschränkungen, Zurückweisungen. Die Zahl der Betroffenen nimmt zu, in Pflegeheimen leben vermehrt Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz. Und auch hier gilt es vor allem wieder die qualitativen Fragen zu stellen – Wie können wir Menschen mit Demenz heute und morgen gut begleiten?

Auch Peter A. bestätigt, dass mit der Diagnose Demenz dann endlich eine Erklärung für vieles vorlag, doch das soziale Umfeld stellte sich nur zum Teil darauf ein und so konnten die einen mehr, die anderen weniger mit dem veränderten Verhalten seiner Mutter umgehen. Viele Bekannte zogen sich auch zurück, und das gerade in einer Lebensphase, die für beide sehr herausfordernd war.

Die Sensibilisierung der Gesellschaft muss deswegen in den Blick genommen werden. Menschen mit Demenz können in größerer Freiheit leben, würden sich alle in Umfeld und Nahraum gut informiert fühlen, was die alltägliche Begleitung von Menschen mit Demenz betrifft. Wenn professionell Mitarbeitende Strukturen vorfinden, die es ihnen erleichtern, Menschen mit Demenz die benötigte Freiheit zuzusichern, können Menschen mit Demenz jedenfalls gut leben.

„Unsere Erfahrung im Diakoniewerk zeigt: Menschen mit Demenz brauchen vor allem mehr Freiheit. Um ihnen diese Freiheit zusichern zu können, benötigt es andere Konzepte, andere Wohnformen und Versorgungssettings, aber auch andere Personalstrukturen – in qualitativer wie in quantitativer Hinsicht. Und es benötigt Unterstützung für die professionell Pflegenden sowie für die Angehörigen sowie ein Blick auf den Sozialraum“, betont Dr. Daniela Palk, Leitung Kompetenzmanagement Seniorenarbeit im Diakoniewerk.

Das Diakoniewerk trägt auch heuer mit vielfältigen Veranstaltungen zur Auseinandersetzung und Sensibilisierung sowie zum Dialog bei: Die Aktionen und Veranstaltungen rund um den Weltalzheimertag finden Sie unter www.diakoniewerk.at.

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Bild: Diakoniewerk/Abdruck honorarfrei.
Bildtext: Gemeinschaft erleben, am „normalen“ Leben anknüpfen, sich wohlfühlen

Rückfragen:
Mag. MBA Daniela Scharer
Kommunikation & PR
Diakoniewerk (Zentrale)
Telefon 07235 65505 1310
Mobil 0664 220 16 25
d.scharer@diakoniewerk.at
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