20.03.2020

"Mir macht es nichts aus, ein Chromosom mehr zu haben"

Unter den verschiedenen Einrichtungen des Diakoniewerks in Gallneukirchen fällt bald die umtriebige und aufgeweckte Theatergruppe Malaria der Kunstwerkstatt des Diakoniewerks auf. Anlässlich des Welt-Down-Syndrom Tags morgen, am 21. März, haben wir bei den beiden Künstlern nachgefragt: was ist euch wichtig?
 

Ruth Oberhuber (27) und Christoph Kremser (42) arbeiten und wohnen in Einrichtungen des  Diakoniewerks in Gallneukirchen. Am Vormittag findet man die Künstler, beide mit Down-Syndrom, im „Theater Malaria“ der Kunstwerkstatt. Auf Eigeninitiative von künstlerisch tätigen Menschen mit Behinderung im Diakoniewerk entstanden, setzt sich die Gruppe heute aus einem elfköpfigen Ensemble, externen GastschauspielerInnen sowie einem künstlerischen Team aus der Tanz-, Theater- und Behindertenpädagogik zusammen. Ruth Oberhuber hat neben ihrem schauspielerischen Talent auch ein literarisches. Sie moderierte im Vorjahr die Preisverleihung der Literaturveranstaltung „Ohrenschmaus“. Bei der Veranstaltung werden Texte von Menschen mit Lernbehinderung prämiert. 


Nachmittags arbeiten Ruth Oberhuber und Christoph Kremser in der „Kunstwerkstatt Macherei“ und sind dort verantwortlich für die Wartung und Betreuung des Onlineshops mit den Erzeugnissen aus den Werkstätten des Diakoniewerks. Sie betreuen dort die gesamte logistische Abwicklung des Shops, wie die Bearbeitung der eingehenden Bestellungen, die Verpackung der Waren und den Versand sowie die Verwaltung des Lagerbestands. 
„Es macht mir nichts aus, ein Chromosom mehr zu haben“, meint die junge Frau. Sie weiß Bescheid über den „Welt-Down-Syndrom-Tag“ am 21. März und worauf an diesem Tag weltweit aufmerksam gemacht wird.  „Dass niemand bevorzugt wird. Und dass ich für andere wichtig bin“, sind ihre Anliegen an diesem Tag. „Und dass wichtige Sachen nicht unwichtig werden“, sagt sie mit einem Lächeln, während sie sich an Christoph schmiegt.
Um 16 Uhr kommen sie von der Arbeit in der Kunstwerkstatt nach Hause. Für Christoph Kremser fängt dann der sportliche Teil des Tages erst an! Stolz zählt er auf, was er alles macht: Montag Tischtennis, Dienstag Kegeln, Mittwoch Leichtathletik-Training, Donnerstag Stockschießen. Alles über FRISBI, das Zentrum für Freizeit, Sport und Bildung des Diakoniewerks. Ruth Oberhuber bevorzugt Nordic Walken, Lesen und Shoppen. Nicht zu viel fernsehen, ist beiden wichtig. Und am Wochenende gehen sie fort, zum Beispiel ins ZERO in Gallneukirchen.