21.09.2020

Welt-Alzheimertag: Konzepte für ein gutes Leben mit Demenz

Die Anzahl der Menschen mit dementiellen Erkrankungen steigt. Mit dem Hausgemeinschaften-Konzept des Diakoniewerks wird versucht, für Menschen im Alter ein gewohntes Lebensumfeld zu schaffen.

Unsere Gesellschaft verändert sich demographisch. Verbunden mit dieser Entwicklung hin zu einer Gesellschaft des langen Lebens braucht es entsprechende Schritte, um die Lebensqualität für Menschen im Alter abzusichern und verbessern.

Demenz fordert unsere Gesellschaft in besonderer und vielfältiger Weise heraus. Neben den erlebbaren Veränderungen und Einschränkungen, mit denen Betroffene zurechtkommen müssen, greift Demenz auch stark in das bisherige Zusammenleben im häuslichen Umfeld ein. Sie betrifft in ganz besonderem Maße auch die Partner*innen, Kinder, Angehörigen und das engere und weitere soziale Umfeld.
 

Leben in Hausgemeinschaften des Diakoniewerks

Das Diakoniewerk begegnet diesen besonderen Bedürfnisses von Menschen mit dementiellen Erkrankungen mit einem speziellen Begleitkonzept. Dabei wird Menschen im Alter ein Wohn- und Lebensumfeld ermöglicht, welches weitestgehend gewohnte Strukturen und Normalität aufrecht hält und vertraute Tagesabläufe beibehält. In den „Häusern für Senioren“ des Diakoniewerks leben Menschen im Alter in sogenannten „Hausgemeinschaften“, in denen die Bewohner*innen die Möglichkeit haben, sich aktiv am Alltag zu beteiligen. Die Tagesabläufe orientieren sich „am normalen Leben“ in den eigenen vier Wänden. Es wird gemeinsam gekocht, gemeinsam Gemüse geschnitten, abgewaschen, die Wäsche versorgt, Tisch gedeckt – kurz Alltagstätigkeiten, die auch in jedem Privathaushalt zu erledigen sind. Jeder trägt bei, was er kann und mag. Dadurch werden individuelle Fähigkeiten und Interessen sowie die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit möglichst lange erhalten.

Das Diakoniewerk ist österreichweit jener Träger, der Pflegeheime als erster auf das Modell der Hausgemeinschaften umgestellt hat und damit die breiteste Erfahrung hat. „Die Überschaubarkeit, die Kleinheit und die am normalen Alltag orientierten Abläufe ermöglichen vor allem Bewohnerinnen und Bewohnern mit Demenz Wohlbefinden und Orientierung und damit Sicherheit“, erklärt Dr.in Daniela Palk, Vorständin im Diakoniewerk.

 

Im Haus für Senioren Bad Zell lebt seit Anfang des Jahres das Ehepaar Rottinger. Beide sind an Demenz erkrankt. Die Orientierung an ihrem Mann, mit dem sie in einer Hausgemeinschaft lebt, gibt Frau Rottinger Sicherheit. Das Ehepaar ist gut in die Gemeinschaft integriert und lebt in gewisser Weise den früheren Alltag weiter – nun aber mit Betreuung. Tochter Veronika und Schwiegersohn Erwin Spenlingwimmer sind vom Hausgemeinschaften- bzw. Lebensweltenkonzept des Diakoniewerks überzeugt: „Gerade bei Menschen mit Demenz ist es wichtig, dass sie das Gefühl der Freiheit verspüren. Etwas tun zu können, aber nicht zu müssen. Das Hausgemeinschaft-Modell ermöglicht unseren Eltern dieses Gefühl, sie sprechen davon, zu Hause zu sein“, so die Angehörigen.

 

Zusätzlich bietet das Diakoniewerk mit Tagesbetreuungsreinrichtungen und  dem Veranstaltungsformat „Leben mit Demenz“, Angehörigentreffs und Demenzberatungen Unterstützung für betreuende Angehörige.

  

Demenz hinterfragt die geltende „Norm“ von „Ich denke, also bin ich.“ Die Veränderungen, die durch Demenz ausgelöst werden, sind schwierig und irritierend – besonders auch für Angehörige. Aber die Betroffenen sind nicht „bei lebendigem Leib verschwunden“. Sie haben Emotionen und Bedürfnisse. Sie haben Ängste und ringen mit den Umständen, unter denen sie leben. Sie erleben schöne Momente und genießen das Leben. Wie jeder Mensch. Zuhören, ihre Wünsche und Bedürfnisse verstehen, sich auf ihre Fähigkeiten konzentrieren, emotionale Zuwendung. Das fördert Lebensqualität in der Lebensphase Demenz.

 

Es braucht unterschiedliche ambulante und mobile Lösungen für Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtbetreuung sowie Besuchsdienste. Mobile Betreuung vor stationärer Pflege muss das Ziel sein, damit die Menschen im Alter möglichst lange zu Hause leben können. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sollen in unserer Gesellschaft die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.