Ali Shah S.

59 Jahre, aus Afghanistan

Ali S.

Ich komme aus einem Vorort von Kabul in Afghanistan, wo ich mit meiner Familie in einem eigenen Haus lebte. Ich bin verheiratet, habe 4 Kinder, wobei meine älteste Tochter im Iran verheiratet ist und dort lebt. Ich habe als Lehrer gearbeitet, was mir Freude bereitet hat. Als Lehrer kennen dich viele Leute, wodurch ich vielen Nachbarn, Bekannten und vor allem Schulkindern auch in meiner Freizeit geholfen habe. Wir hatten durch meine Arbeit keine finanziellen Probleme, uns ist es gut gegangen. Jedoch als die Taliban auch in unser Dorf gekommen ist, war es unsicher für mich und meine Familie. Man wusste nicht, ob ich am Nachmittag von der Arbeit wieder zurückkomme oder nicht. In die Arbeit zu gehen war aber wichtig, denn ohne Arbeit kein Geld. Ich hatte eine Familie zu ernähren.


Als die Situation für uns immer gefährlicher wurde, haben wir entschieden, dass wir Afghanistan verlassen und nach Österreich fliehen. Ich kannte Österreich aus dem Geschichtsunterricht meiner eigenen Schulzeit. Österreich ist ein sehr schönes und vor allem sicheres Land. Ich wollte in ein Land, wo meine Kinder zur Schule gehen und eine gute Ausbildung erhalten können. Das ist hier möglich. Meine beiden älteren Kinder gehen ins Gymnasium und die Jüngste besucht jetzt bald die Neue Mittelschule in Gallneukirchen.


Wenn ich an die Ankunft in Österreich zurückdenke, dann weiß ich noch, dass es zuerst meiner Frau und dann mir sehr schlecht gegangen ist. Wir waren zwar glücklich, dass wir in Sicherheit waren, doch wurde ich krank und musste die erste Zeit im Krankenhaus verbringen. Als ich vom Krankenhaus entlassen wurde, kam ich mit meiner Familie nach Gallneukirchen.


Ich habe mich von Beginn an wohl gefühlt in Gallneukirchen. Hier sind die Menschen sehr nett. Viele Menschen haben uns beim Deutsch lernen unterstützt und machen das auch jetzt noch. Wir hatten nie Probleme, auch nicht mit der Polizei. Alle sind sehr nett. Wir wohnen mittlerweile in einer eigenen Wohnung, die zwar etwas teuer ist, doch wir sparen dafür ein wenig beim Essen. Aufgrund meines Alters fällt es mir schon schwerer Deutsch zu erlernen. Ich übe jeden Tag. Meine Kinder sprechen schon sehr gut Deutsch. Ich will in Österreich bleiben und hierzu muss ich auch die Sprache beherrschen.


Ich gehe einmal pro Woche in eine Wohnung für Menschen mit Behinderung. Dort helfe ich beim Essen und bei der Reinigung. Ich habe eine Beschäftigung, was mir sehr wichtig ist und ich lerne dabei zusätzlich die Sprache. 


Nach meinen Zukunftsvorstellungen gefragt, ist es schwierig für mich eine genaue Antwort zu geben. Wir warten nun seit fünf Jahren und wissen noch immer nicht, ob wir in Österreich bleiben dürfen. Es ist schwierig Pläne zu machen, wenn man es diese Unsicherheit gibt.


Afghanistan wird immer meine Heimat sein. Dort bin ich geboren, hatte eine sehr schöne Kindheit und habe dort mit meinen Eltern und Verwandten gelebt. Afghanistan kann ich nie vergessen. Leider weiß man nicht, wie es dort weitergeht. Seit über 40 Jahren gibt es Krieg, sterben täglich Menschen bei Schießereien oder Explosionen. Es gibt dort keine Sicherheit, dennoch bleibt Afghanistan meine Heimat.

 

Oktober 2019
 

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