Für ein gutes Leben mit Demenz

Vieles schwindet. Aber nicht die Fähigkeit, das Leben zu genießen.

So lautet der Titel jener Kampagne der Diakonie, die mit 1. April in Österreich an den Start ging. Sie soll über das Thema Demenz informieren und das negative Bild des Vergessens aufbrechen. Denn Menschen mit Demenz sind mehr als ihre Krankheit. Viel mehr. 

Making Of - ein Blick hinter die Kulissen

Beim Dreh für die Kampagne durften wir mit dabei sein. Lesen Sie hier: Frau Kraus und Frau Winkler bei einem ganz speziellen Friseurbesuch. 

Hier geht's zur Making-Of-Geschichte

Was geht, was bleibt?

was-geht-was-bleibt

So vielschichtig wie die Erkrankung sind auch die Wege, mit denen man ihr begegnet. Wenn die Erinnerung nachlässt und selbstverständliche Fähigkeiten verloren gehen ist es für Menschen mit Demenz schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um zu sagen: "Ich brauche Hilfe". Oft ist es ein schleichender Übergang, ein langsames Verlieren kognitiver Leistung, ein Verdrängen und Leugnen. Lesen Sie hier den gesamten Artikel

Alltagsmanagerin strukturieren den Tag.

Menschen mit Demenz über Humor erreichen

menschen-mit-demenz-über-humor-erreichen

Man kennt sie vorrangig aus dem Krankenhaus - Clini Clowns, die über ihren humorvollen Zugang zu schweren Themen PatientInnen erreichen und mithelfen, Schmerzen und Krankheiten zumindest für kurze Zeit zu vergessen. Auch in Seniorenheimen kann Humor als wichtiger Ansatz in der Pflege und Betreuung von Menschen unterstützen und helfen. Im Rahmen der Aktion Gesunde Gemeinde haben die beiden Clini Clown Ärztinnen Dr. Doris Drüse und Dr. Wilma Wickel das Haus Elisabeth in Gallneukirchen (OÖ) besucht. Eine erfrischende Abwechslung, die von den BewohnerInnen gerne angenommen wurde. Vor allem im Ungang mit Menschen mit Demenz ist Humor ein wichtiges Bindeglied. 

Menschen  mit Demenz über Humor erreichen.

Tagesbetreuung: Entlastung für Angehörige

tagesbetreuung-entlastung-für-angehörige

Angebote in Tagesform können in vielen Fällen wichtige Unterstützung und Entlastung bringen. Die Pflege und Begleitung von Menschen im Alter stellt Angehörige oftmals vor große Herausforderungen. Besteht darüber hinaus eine Demenzerkrankung, ist dies mit einem erhöhten Betreuungsbedarf verbunden. Lesen Sie hier den gesamten Artikel

Tagesbetreuung entlastet Angehörige im Alltag.

Hausgemeinschaften mit Leben füllen

hausgemeinschaften-mit-leben-füllen

Seit 2007 setzt das Diakoniewerk im Bereich Wohnen mit Pflege Hausgemeinschaften um. Individualität, familiäre Atmosphäre und an den persönlichen Bedürfnissen orientierte Pflege und Betreuung zeichnen die Hausgemeinschaften aus. „Die Überschaubarkeit, die Kleinheit und die am normalen Alltag orientierten Abläufe ermöglichen vor allem Bewohnerinnen und Bewohnern mit Demenz Wohlbefinden“, erklärt Martin Löfler, Mitarbeiter im Kompetenzmanagement Seniorenarbeit. Das Diakoniewerk legt auch großen Wert auf die architektonische Umsetzung der Hausgemeinschaften. „Die Architektur kann fördernd oder hemmend im Alltag wirken, vor allem bei Demenz“, weiß Löfler zu berichten. „Es gibt Betreuungssituationen da stoßen wir auch in den Hausgemeinschaften an unsere Grenzen“, berichtet Martin Löfler. Gemeint ist die Herausforderung im Miteinander von BewohnerInnen mit und ohne Demenz, wenn das Verhalten von Menschen mit Demenz von anderen als belastend angesehen wird. Hier gilt es auch, das Hausgemeinschaftskonzept stetig zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Hausgemeinschaften setzen auf ein Miteinander aller BewohnerInnen.

Musik als Therapie

musik-als-therapie

Musik als Therapie bei Demenz: In Wels und Gallneukirchen ist das gelebte Praxis. Musiktherapeuten sind Beziehungsexperten, da ein zentraler Wirkfaktor der Musiktherapie im Aufbau einer therapeutischen Beziehung liegt: „Eine Singrunde mit einer Musiktherapeutin ist etwas ganz anderes als ein Konzert für Senioren. Wir sind darauf geschult, kleinste Veränderungen im Menschen gegenüber wahrzunehmen – in der Stimmung, Mimik, Atmung, Körperhaltung“, erklärt Gerda Faux. „Wir schwingen uns darauf ein, arbeiten damit und können positive Veränderungen anstoßen.“ Ist die Demenz schon sehr weit fortgeschritten, verschiebt sich die Therapie mehr und mehr in den Einzelkontakt. Musiktherapie soll Menschen mit Demenz die Möglichkeit geben, sich wohlzufühlen und trotz aller Einschränkungen möglichst normal leben zu können.

Musik kann zwischen Menschen mit und ohne Demenz eine Verbindung herstellen.

Tipps für den Alltag und für die Begegnung mit Menschen mit Demenz

Am besten gehen Sie von vorne auf den Menschen mit Demenz zu, kündigen den Kontakt durch Begrüßungsworte an und sprechen die Person mit ihrem Namen an. Körperkontakt in Form von Hand reichen, Oberarm streicheln, kann den Kontakt erleichtern. 

Verwenden Sie kurze, einfache Sätze. Am besten stellen Sie Fragen, die mit einem ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ beantwortet werden können. Verzichten Sie auf Wissensfragen (beispielsweise „Was hast du heute Mittag gegessen?“). Beachten sie Gestik und Mimik des Gegenübers und unterstreichen Sie selber Ihre Sprache durch Gestik und Mimik. Bleiben Sie während des Gesprächs in Blickkontakt.

Kündigen Sie alle Handlungen an, indem Sie konkret beschreiben, was Sie tun. Beispiel: „Ich schiebe dich gleich im Rollstuhl in die Küche“.

Lassen Sie ausreichend Zeit. Menschen mit Demenz  brauchen mehr Zeit, um Worte oder Handlungen zu verstehen und zu deuten. 

Vertrautes und Nähe schaffen Wohlbefinden: Oft wecken gerade Gegenstände aus den jungen Erwachsenenjahren mehr Erinnerungen und Wiedererkennung als Gegenstände der jüngeren Vergangenheit. So können sich Menschen mit Demenz vielleicht eher am eigenen Hochzeitsfoto als am Foto des Pensionistenausfluges wiedererkennen.

„Spiegeln“ Sie gesprochene Aufforderungen.  Bsp: setzen Sie sich gemeinsam mit der Person hin.

Vermeiden Sie Zurechtweisungen oder Korrekturen.  Das Gefühl nicht verstanden oder ernst genommen zu werden kann Angst, Trauer, Wut und Abwehr auslösen.

Produktfoto Tierisch gute Sache Rucksack

„Schmetterlinge im Kopf“ – eine Tierisch gute Sache!

 

Helfen Sie mit, dass Menschen mit Demenz ein würdevolles Leben ermöglicht wird! Entscheiden Sie sich für das Hilfspaket „Schmetterlinge im Kopf“  und erhalten Sie einen Rucksack mit einem Motiv der Künstlerin Johanna Rohregger!

Das Diakoniewerk bietet mit der Aktion „Tierisch gute Sache“ Geschenkmöglichkeiten mit Sinn, die Menschen in Notlagen unterstützen und Ihren Liebsten Freude bereiten. Neben der Möglichkeit zu spenden, erwerben Sie ein „tierisch gutes Produkt“.

Wir blicken in die Praxis!

Wir alle können dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz dabei und mittendrin sind. Wir können uns über Demenz informieren und Verständnis für die Betroffenen entwickeln. Wir können sie aktiv einbeziehen und unseren Blick auf den Menschen richten – nicht auf die Krankheit.

Hören Sie hinein in diesen Radiobeitrag zur Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz in Graz 

Interview mit Ingrid Ferstl, Leitung Tagesbetreuung

Mehr Informationen

Argumentarium Nr. 2: Gutes Leben mit Demenz (2016)
570.59 KB
10 Punkte_Pflege und Betreuung_Diakonie
1.92 MB
Tipps für den Umgang mit Menschen mit Demenz.pdf
192.21 KB

Den Blick auf den Menschen richten

den-blick-auf-den-menschen-richten

Demenz gilt in der Medizin als Erkrankung - was oftmals dazu führt, dass Betroffene hinter ihrer Krankheit verschwinden. Auch wenn kognitive Fähigkeiten im Verlauf verloren gehen, bleiben emotionale Erinnerungen und Fähigkeiten umfassend erhalten. Demenz ganzheitlich zu betrachten und die Menschen dort zu unterstützen, wo es notwendig ist, ihnen zuzuhören und gemeinsam Wege für eine gute Betreuung zu finden, ist daher wichtig. Am normalen Leben teilhaben können und Teil der Gesellschaft sein - das wünschen sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Sie möchten ihren Alltag selbst gestalten, ihren gewohnten Hobbies nachgehen und im Freundeskreis und in der Gemeinde aktiv bleiben.

Leben mit Demenz hat viele Gesichter

Auch noch interessant: Zahlen und Fakten

Derzeit leben ca. 130.000 Betroffene in Österreich. Bis 2050 rechnet man mit einem Verdoppeln der Zahl. Folgendes Bild lässt aufhorchen und zeigt auf,  dass wir uns gesellschftlich betrachtet mit Demenz mehr und mehr auseinandersetzen müssen und gute Formen in der Begleitung und Begegnung brauchen. "Leben mit Demenz" in der Mitte der Gellschaft und nicht daneben.

 

74 % sind überzeugt, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen aufgrund der Diagnose Kontakte verlieren

48 % würden eine etwaige Diagnose Demenz geheim halten

25 % meinen, dass im öffentlichen Verkehr Rücksicht auf Betroffenen genommen wird

30 % empfinden eine Begegnung mit von Demenz Betroffenen als unangenehm (jedoch nur 21 %, die persönlichen Kontakt zu Betroffenen haben)

63 % macht der Gedanke an Pflege und Betreuung eines Menschen mit Demenz Angst (jedoch nur 50 %, wenn der Befragte Betroffene persönlich kennt)

 

(Ergebnisse des neuen Sozialbarometers 09/2018 - einer in Zusammenarbeit mit SORA durchgeführten sozialpolitischen Umfrage)